Eine besondere Eigenschaft der Gravitationswellen ist, dass sie
Informationen über die Quellobjekte enthalten - seien es Supernovae,
seien es verschmelzende Schwarze Löcher.
Dabei gibt es einige wichtige Unterschiede zwischen den Eigenschaften der
Gravitationswellen und denen der elektromagnetischen Strahlung (Licht,
Radiowellen, Röntgenstrahlung...), auf deren Nachweis herkömmliche
astronomische Beobachtungen beruhen.
Jedes einzelne Atom kann elektromagnetische Wellen aussenden und
absorbieren. Das Licht beispielsweise, das uns von einem
astronomischen Objekt erreicht, ist daher ein im wahrsten Sinne des
Wortes buntes Gemisch der Aussendungen seiner einzelnen Atome. Das
hat Vorteile - beispielsweise lassen sich die einzelnen Lichtanteile
zu ihrem Ursprungsort zurückverfolgen und zu einem Bild zusammensetzen,
das uns die Struktur des betreffenden Objekts zeigt. Es gibt aber auch
Nachteile: Dazwischenliegende Atome können Licht absorbieren und
zerstreuen, und wir erhalten oft nur ein oberflächliches
Bild astronomischer Objekte - das, was wir sehen, verbaut uns den
Blick in tiefere Regionen.
Gravitationswellen astronomischer Objekte fügen sich weniger zu
einem Bild denn zu einem Orchesterklang zusammen. Was uns von einer
Gravitationswellenquelle, etwa einem Neutronensternpaar, erreicht, ist
kein unzusammenhängendes Gemisch vieler kleiner Beiträge, sondern
eine harmonische Gesamtwelle, die Informationen über ihren
großräumigen Entstehungsprozess enthält. Wichtig ist,
dass so gut wie alle astronomischen Objekte
für Gravitationswellen "durchsichtig" sind. Diese Wellen können uns
daher Informationen aus Regionen zutragen, die anders
nicht zugänglich
wären - Informationen über die Materieeigenschaften verschmelzender
Neutronensterne etwa, oder die
Massenbewegungen im Innersten einer Supernova. Verborgene Regionen,
die die Physiker bislang allenfalls durch Computersimulationen
nachempfinden könnten (in der folgenden Abbildung: die Dichteverteilung
im Zentrum einer Supernova),
könnten dann direkt "hörbar" werden.
[Zentralregion einer Supernova, eine Sekunde nach Einsetzen der
Explosion. Hellere Regionen entsprechen größerer Dichte.
© L. Scheck, Max-Planck-Institut
für Astrophysik]
Dementsprechend groß ist das Interesse daran, Gravitationswellen auch
direkt nachzuweisen und die in ihnen enthaltenen Informationen
zu entschlüsseln, kurz: "Gravitationswellenastronomie" zu
betreiben.
Allerdings führen selbst die gewaltigsten Umwälzungen in unserer
kosmischen Nachbarschaft zu Gravitationswellen die, wenn sie
die Erde erreichen, nurmehr extrem schwach sind. Eine
Supernova-Explosion in einer unserer
Nachbargalaxien
mag binnen Sekunden
die Energie von Billionen Trilliarden Atomsprengköpfen freisetzen
und einen Gutteil dieser Energie in Form von Gravitationswellen abstrahlen -
auf dem langen Weg hinaus ins All verdünnt sich diese Energie soweit,
dass hier auf der Erde nur noch ein höchst kläglicher
Gravitationswellenrest ankommt,
dessen Raumverzerrung den Abstand der Erde von der Sonne gerade mal um den
Durchmesser eines Wasserstoffatoms vergrößert oder verkleinert.
Dementsprechend stellt der direkte Nachweis solcher Gravitationswellen
eine enorme technische Herausforderung dar.
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