Die Gelegenheiten, bei denen Gravitationswellen entstehen können
sind vielfältig: Fast überall dort, wo Massen beschleunigt
werden, ob nun zwei Himmelskörper umeinander umlaufen oder Materie
bei einer gewaltigen Explosion in den Weltraum geschleudert wird,
werden Gravitationswellen ausgesandt.
Allerdings sind die Gravitationswellen, die uns aus den Tiefen des
Alls erreichen, umso schwächer, je weiter das erzeugende
Ereignis von uns entfernt ist. Als Quellen jener Wellen,
von denen wir hoffen können, sie mit empfindlichen
Detektoren nachzuweisen, kommen daher vor allem kosmische Extremsituationen
infrage.
Eine solche Extremsituation ist gegeben, wenn zwei
Neutronensterne
umeinander kreisen, oder wenn es sich bei
einem der Partner (oder gar bei beiden) um ein
Schwarzes Loch handelt.
Solche Objekte (auf beide Arten wird
im nachfolgenden Kapitel Schwarze Löcher & Co. näher eingegangen) sind sehr
kompakt: sie besitzen, gemessen
an ihrer geringen Größe, eine extrem hohe
Masse.
Das macht
die betreffenden
Doppelstern-Systeme
zu vorzüglichen Gravitationswellen-Quellen.
Gravitationswellen konnten bislang nicht direkt beobachtet werden.
Indirekt dagegen lässt sich ihre Existenz dagegen anhand
eines Systems sich umkreisender Neutronensterne nachweisen,
das den astronomischen Namen
PSR1913+16
trägt. Einsteins Theorie
sagt voraus, dass mit der Abstrahlung der Gravitationswellen ein
Energieverlust einhergeht, durch den die Neutronensterne einander immer
näherkommen und sich immer schneller umkreisen. Tatsächlich
nimmt die Umlaufzeit des Systems PSR1913+16, über Jahrzehnte hinweg
beobachtet, exakt in der Form und um denjenigen Betrag ab, wie von der
allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt: ein deutlicher
Hinweis auf die Abstrahlung von Gravitationswellen, der seinen Entdeckern
Russell Hulse und Joseph Taylor den
Physik-Nobelpreis 1993 einbrachte.
Wenn der Umkreisungs-Abstand, wie bei diesen Neutronensternen, mit
der Zeit immer geringer wird, kommt es letztendlich zur Kollision und
dabei zur Freisetzung ganz gewaltiger Energien in Form von Gravitationswellen.
In der folgenden Computersimulation von Wissenschaftlern des
Max-Planck-Instituts
für Gravitationsphysik entsprechen die sich ausbreitenden farbigen Regionen den
Raumverzerrungen durch Gravitationswellen, die beim Zusammenstoß
zweier Schwarze Löcher
freigesetzt werden:
[© W. Benger AEI/ZIB. Da die Abbildung 93 kB groß ist, kann es je nach Internetverbindung zu einer Verzögerung kommen, bis das Bild geladen ist.]
Vielversprechende Quellen sind ausserdem sogenannte
Supernovae, gewaltige
Sternexplosionen, bei denen unvorstellbare Energien freigesetzt und
gewaltige Materiemengen ins All hinausgeschleudert werden.
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