|
Sterne wie unsere Sonne sind keine Einzelgänger, sondern bilden zu Milliarden und Abermilliarden gigantische Sternsysteme, die Galaxien. Die Ausßenansicht unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, dürfte der folgenden Aufnahme der Galaxie NGC 4414 nicht unähnlich sein:
 [Bild: Hubble Heritage Team (AURA/STScI/NASA)]
In den kosmologischen Modellen der allgemeinen Relativitätstheorie kann man
sich das Weltall als Sammlung von Galaxien vorstellen, die frei im All
dahinschweben. Die Galaxien sind gleichmäßig im Raum verteilt,
und sie fliegen mitnichten durcheinander, sondern führen eine
spezielle Form der Expansionsbewegung aus. Einige Eigenschaften solcher
Expansion zeigt die folgende Animation. Die Größenverhältnisse
darin sind komplett unrealistisch, aber anschaulich. Zu sehen ist ein zweidimensionaler Ausschnitt des Universums, mit
Galaxien, die einigermaßen gleichmäßig in der
Fläche verteilt sind. Bevor es losgeht, werden kurz die Abstände
der grünen und der blauen Galaxie zur zentralen roten Galaxie (unserer eigenen) eingeblendet (gemessen in Lichtjahren, dort abgekürzt zu Lj). Dann beginnt die Animation zu laufen und zeigt einen Ausschnitt aus der Expansionsbewegung des Universums: Hundert Millionen Jahre (abgekürzt in der Anzeige links oben zu MJ) vergehen, und die Galaxien fliegen auseinander. Nach Ende des Ausschnitts werden wieder die Abstände der grünen und blauen zu unserer roten Galaxie eingeblendet: Beide Abstände haben sich im Verlauf des Expansionsausschnitts verdoppelt, ebenso übrigens wie die Abstände aller anderen gezeigten Galaxien zueinander!
[Da die Animation 220 kB groß ist, kann es zu Verzögerungen beim Laden kommen.]
Die durchschnittliche Geschwindigkeit, mit der sich eine Galaxie entfernt,
ist gleich der Strecke, die sie zurücklegt, geteilt durch die Zeit,
die sie dazu benötigt. Wenn wir in unserem expandierenden
Modelluniversum die durchschnittliche Geschwindigkeit ausrechnen,
mit der sich die grüne und blaue Galaxie von unserer roten Galaxie
entfernen, können wir wie folgt vorgehen: Die grüne Galaxie ist
zu Anfang des Filmausschnitts eine Million Lichtjahre von uns entfernt,
am Ende zwei Millionen Lichtjahre. Ihr Abstand hat sich während der
100 Millionen Jahre, die die Animation zeigt, um eine Million Lichtjahre
vergrößert, entsprechend einer Durchschnittsgeschwindigkeit von
|
v = 1 Millionen Lichtjahre/100 Millionen
Jahre | = 0,01 Lichtjahre/Jahr |
|
= 3000 Kilometer/Sekunde |
Für die blaue Galaxie, die am Anfang zwei und am Ende des Filmausschnitts vier Millionen Lichtjahre entfernt ist und deren Abstand zu uns sich entsprechend um 4-2=2 Millionen Lichtjahre vergrößert
hat, ergibt sich dagegen
|
v = 2 Millionen Lichtjahre/100 Millionen
Jahre | = 0,02 Lichtjahre/Jahr |
|
= 6000 Kilometer/Sekunde. |
Mit der kosmischen Expansion geht demnach ein charakteristischer
Zusammenhang zwischen der Entfernung einer Galaxie und ihrer
Fluchtgeschwindigkeit einher, der Hubble-Beziehung genannt wird:
Je weiter eine Galaxie von uns entfernt ist, umso schneller bewegt sie sich
von uns fort.
Nachzutragen bleibt ein Aspekt der Expansion, der in der Animation
nicht deutlich werden kann: Auch bei der Ausdehnungsbewegung sind alle
Galaxien gleichberechtigt. Würden wir für unseren Filmausschnitt
eine andere Galaxie in die Mitte gerückt haben, so ergäbe sich
haargenau dasselbe Bild einer Expansion, bei der sich alle Galaxien umso
schneller von unserer Mittelpunktsgalaxie entfernen, je weiter sie von
dieser Galaxie entfernt sind. Es gibt keinen ausgezeichneten
Mittelpunkt der Expansionsbewegung - nur ein systematisches Anwachsen
aller Abstände. Allen Beobachtern, auf welcher der Galaxien auch immer
sie beheimatet sein mögen, bietet sich das gleiche Bild eines
expandierenden Weltalls.
Weiter geht's mit: Errötende Galaxien
|