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Wenn sich das Universum immer weiter ausdehnt und die Abstände zwischen
den Galaxien immer größer werden, dann ergibt sich umgekehrt, dass
die Galaxien in der Vergangenheit sehr viel dichter beieinander gelegen
haben müssen als heutzutage.
Wie die Expansion im einzelnen stattgefunden hat, ergibt sich in den
Modellen der relativistischen Kosmologie aus den
Einstein-Gleichungen,
die die Eigenschaften der Materie und der Raumzeit-Geometrie miteinander
verknüpfen. Fü realistische Materiemodelle ergibt sich
das Bild nicht nur eines Universums, in dem die Galaxien näher
beieinander lagen, sondern viel extremer: In noch fernerer Vergangenheit
war das Gas der Galaxien so dicht zusammengepresst, dass ein heißes
Plasma aus Atomkernen und Elektronen
den Kosmos erfüllte, ja, noch unglaublicher: Diese Modelle sagen
einen konkreten Anfangspunkt des Universums voraus, der Urknall
genannt wird und einem bizarren Anfangszustand unendlicher Dichte
entspricht.
Vorhang auf für eine kurze Geschichte des Kosmos, die Geschichte
eines stetig weiter expandierenden und abkühlenden Universums
(Zeitangaben betreffen jeweils die seit dem Urknall vergangene Zeit, vgl. den Lexikoneintrag kosmische Zeit):
| 0 Sekunden |
Urknall ??!? |
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Auf die frühesten Phasen des Universums werde ich im nachfolgenden
Abschnitt noch eingehen. Hier soll es zunächst um die Geschichte
unseres Universums nach der ersten Millionstel Sekunde nach dem Urknall
gehen, für die die Urknallmodelle der modernen Kosmologie
vergleichsweise gesicherte Vorhersagen treffen.
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| ca. 1 Millionstel
Sekunde |
Entstehung von Kernteilchen |
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Vor diesem Zeitpunkt war die Temperatur des frühen Universums so hoch, dass
selbst die
Quarks, in einer brodelnden
Kernmateriesuppe frei durcheinanderflogen. Erst jetzt schliessen sie
sich zu den Kernteilchen zusammen, zu
Protonen und
Neutronen.
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| bis ca. 1 Sekunde
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Vernichtung der Antimaterie |
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Auch nach Entstehung der Kernteilchen war die Temperatur des Universums
hoch genug für eine Höllensuppe aus Teilchen, ihren
Antiteilchen und
Strahlung. Antiteilchen sind gewissermassen die Spiegelbilder der
Materieteilchen. Wenn sich Antimaterie und Materie begegnen, etwa
ein Proton und ein Anti-Proton, dann können sie sich in einem Blitz
von elektromagnetischer Strahlung vernichten. Im frühen Universum
kam es laufend zu diese Art von Vernichtung von Teilchen und Antiteilchen, aber
ebenso oft zur Entstehung eines Teilchen-Antiteilchen-Paars aus Strahlung.
Mit weiterer Ausdehnung und Abkühlung des Universums besitzt die
Strahlung allerdings nicht mehr genügend Energie, um massereiche
Teilchen-Antiteilchen-Paare zu erzeugen. Letztendlich kommt es zur
Vernichtung aller Antimaterie - übrig bleiben energetische Strahlung
und ein winziger Materieüberschuss. Aus diesem winzigen
Überschuss besteht alle Materie, die wir um uns herum wahrnehmen,
von der Erde bis hin zu fernen Galaxien.
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| 1 Sekunde - 3
Minuten |
Entstehung leichter Atomkerne |
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Zu dieser Zeit fügen sich die ersten Protonen und Neutronen zu stabilen
leichten Atomkernen zusammen, etwa den Kernen von Deuterium,
Helium und Lithium. Die Vorhersagen der Urknallmodelle, ein wie
großer Anteil dieser Kernsorten im frühen Universen entstanden
sein sollten, lassen sich mit den heutigen astronomischen Beobachtungen
vergleichen und liefern damit einen Test, den die Urknallmodelle mit
fliegenden Fahnen bestehen.
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ab 300 000 Jahre |
Entkopplung von Strahlung und Materie |
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Eine weitere einschneidende Veränderung: Vor diesem Zeitpunkt war das
Universum ein Tohuwabohu von Strahlung einerseits und Materie wie
Kernteilchen und Elektronen andererseits. Stabile
Atome aus Kernen und
Elektronenhülle konnten sich nicht bilden, da Atome
von der hochenergetischen Strahlung immer wieder auseinandergerissen wurden.
Erst jetzt ist die Temperatur und damit die Energie der Strahlung soweit
gefallen, dass stabile Atome entstehen. Fortan bleibt die betreffende
Strahlung im Hintergrund, tritt kaum noch in Wechselwirkung mit der
Materie und kühlt mit der Expansion des Universums immer weiter ab.
Das folgende Bild zeigt die Astrophysiker Arno Penzias und Robert Wilson
[© Lucent Technologies/Bell Labs Innovations]:
Ihnen gelang es Mitte der 1960er Jahre,
mit der im Hintergrund sichtbaren Radioantenne
die immer noch vorhandene kosmische
Hintergrundstrahlung nachzuweisen und damit eine fundamentale
Vorhersage der Urknallmodelle zu bestätigen.
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| ab ca.
100 Mio. Jahre
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Entstehung von Galaxien |
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Bereits kurz vor der Entkopplung von Strahlung und Materie hatte die
Materie begonnen, unter Einfluss der gegenseitigen Schwerkraft
zu verklumpen. Dabei entstanden Gebiete leicht höherer Dichte und
die Verklumpung setzte sich fort, bis bereits etwa 100 Millionen Jahre nach dem Urknall - der
genaue Zeitpunkt ist nicht gewiss - die ersten Protogalaxien entstanden,
Vorläufer der heutigen Galaxien.
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| ca.
14 Milliarden Jahre |
Jetztzeit |
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Rund 14 Milliarden nach dem Urknall formulierte Albert Einstein seine
Allgemeine Relativitätstheorie - und gab den Forschern damit ein
Werkzeug an die Hand, das es ermöglicht, die Geschichte unseres
Universums bis zur heißen Phase zurückzuverfolgen.
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Weiter geht's mit: Rätsel des Anfangs
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