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Ab der ersten Millionstel Sekunde stehen die Urknallmodelle auf sicheren
Füßen. Wie sich Materie bei den entsprechenden Temperaturen
verhält, sagen den Forschern physikalische Theorien wie das
Standardmodell der
Elementarteilchenphysik, und die aus den Modellen abgeleiteten
Vorhersagen zur
Elementhäufigkeit
und der kosmischen Hintergrundstrahlung
ermöglichen eine direkte Überprüfung.
Jenseits dieser Zeitgrenze wird unser Wissen über die Vergangenheit
des Weltalls zunehmend unsicherer. Vor der ersten Millionstel Sekunde
folgt ein Zeitraum, in dem das Weltall energiereicher war als alle Zustände,
die irdische Teilchenphysiker in ihren
Beschleunigeranlagen
nachstellen können. Nichtsdestotrotz gibt es Ansätze, die Physik
des damaligen Universums aus einer Extrapolation des Standardmodells der
Elementarteilchenphysik zu rekonstruieren und beispielsweise zu
erklären, wie jener leichte Überschuss im ursprünglichen
Gemisch von Teilchen und Antiteilchen zustandekam, dem
die Materie unseres Universums ihre Existenz verdankt.
Für eine noch frühere Phase haben Teilchenphysiker eine
Phase exponentiell
beschleunigter Ausdehnung postuliert, die Inflationsphase
heisst. Sie soll einige Eigenschaften des Universums erklären, die
in den herkömmlichen Urknallmodellen einfach postuliert werden
müssen, etwa die Raumgeometrie des uns umgebenden Weltalls. Erste
Anzeichen dafür, dass unser Kosmos tatsächlich solch eine
Inflationsphase hinter sich hat, haben sich aus Untersuchungen der
kosmischen Hintergrundstrahlung
ergeben. Diese Strahlung hat eine bestimmte charakteristische Temperatur,
die nach all der Zeit, in der sich das Weltall ausgedehnt und abgekühlt
hat, sehr niedrig liegt, nur rund 3 Grad über
dem absoluten
Temperaturnullpunkt. Allerdings gibt es geringe Fluktuationen: Die
Temperatur eines Teils der Hintergrundstrahlung liegt einige zehntausendstel
Grad über dem Mittelwert, für andere Teile einige zehntausendstel
Grad darunter. Das folgende Bild zeigt diese Fluktuationen:
Es bildet die Himmelskugel so ab, wie eine Erdkarte die Kugeloberfläche
der Erde; rötere Bereiche entsprechen leicht erhöhter Temperatur,
blauere Bereiche einer leichten Erniedrigung. Die Temperaturkarte stammt
aus Messungen der Wilkinson Microwave
Anisotropy Probe, eines Satelliten der NASA, der die Temperaturfluktuationen mit
nie erreichter Genauigkeit vermessen hat. Nach diesen Messungen entsprechen
die Eigenschaften der Fluktuationen genau der Vorhersage der
Inflationsmodelle.
Versucht man, noch weiter in die Vergangenheit des Universums vorzudringen,
gerät man in Temperatur-, Dichte- und Energiebereiche, in denen zu
erwarten ist, dass die Allgemeine Relativitätstheorie nicht mehr
zur Beschreibung ausreicht. Dort sollte ein Anwendungsbereich einer
Theorie der Quantengravitation liegen, entsprechend einem Themenkreis,
der weiter unten im Kapitel Relativität und Quanten abgehandelt wird.
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