|
In den bisherigen Kapiteln von Einstein für Einsteiger zeigten sich an zwei
Stellen Grenzen der Allgemeinen Relativitätstheorie. In beiden
Fällen ging es um
Raumzeit-Singularitäten.
Erstes Beispiel war das Innere Schwarzer Löcher. Wie im Abschnitt
Schwarze Löcher
kurz angesprochen, lauert im Inneren ein Raumzeitrand, an die Reise
eines hineinfallenden Objektes ein abruptes Ende findet, eine Singularität.
An dieser Singularität nimmt die Raumzeitkrümmung unendlich hohe
Werte an, gerade so, als sei dort die Masse des Schwarzen Lochs zu unendlich
hoher Dichte zusammengepresst. Mit umgekehrten Vorzeichen haben wir eine
solche Singularität im Zusammenhang mit den
Urknallmodellen in der
Schilderung der rätselhaften Anfangszeit des Universums kennengelernt: Auch
der Anfangszustand der klassischen
kosmologischen Modelle, der Urknall, ist
eine Singularität, ein Raumzeitrand, an dem alle Materie des Universums
wie zu unendlich hoher Dichte zusammengedrückt ist.
Abrupte Raumzeitränder mit unphysikalisch unendlich hohen Dichten
sind ein deutliches Zeichen, dass dort die Einsteinsche Allgemeine
Relativitätstheorie an ihre Grenzen stößt. Das ist in einer
Hinsicht nicht verwunderlich: Bei so hohen Energiekonzentrationen und so
mikroskopisch kleinen Krümmungsradien sollten die Gesetze der
Mikrowelt wichtig werden, und das sind die Gesetze der Quantentheorie, die
in Einsteins Theorie außen vor bleiben. Um das Innerste Schwarzer
Löcher und die Frühzeit des Universums zu beschreiben, so scheinen
uns die Singularitäten mitzuteilen, reicht Einsteins Theorie nicht aus.
Man muss eine Beschreibung bemühen, die sowohl Einsteins geometrisches
Bild der Gravitation wie auch die Quantengesetze berücksichtigt, eben
eine Theorie der Quantengravitation.
Schon aus einer Betrachtung der grundlegenden Naturkonstanten, die für die Gravitation und in der Quantentheorie eine Rolle spielen, zeigt sich, dass es eine natürliche Längenskala gibt, bei der wir erwarten können, dass Quantengravitationseffekte wichtig werden - die so genannte Plancklänge von rund 10-35 Metern. Die nachfolgende Illustration soll einen groben Eindruck davon verschaffen, wie winzig diese Längenskala ist:
Angefangen bei alltäglichen Längen von rund einem Meter müsste man um einen Faktor von 10 Milliarden vergrößern, um bei den für Atome typischen Längenskalen zu landen. Von dort führt dann allerdings erst ein Vergrößerungsfaktor von einer Billion Billionen zur Plancklänge! Ganz rechts in der Abbildung sind zwei der merkwürdigen Objekte angedeutet, die Physiker auf diesen Größenskalen erwarten könnten - unten ein String, oben ein Ausschnitt aus einem Spinnetzwerk.
So weit, so gut. Doch leider hat es sich als großes Problem erwiesen, eine Theorie der Quantengravitation
zu formulieren. Versucht man, die Gravitation genau so in den Quantenrahmen
einzubauen, wie es mit dem Elektromagnetismus und den Kernkräften
gelungen ist, dann ergibt sich ein Modell, in dem es von unphysikalischen
unendlichen Werten nur so wimmelt, und das keinerlei Vorhersagekraft
besitzt. Auch heute kennt kein Physiker eine vollständige Theorie
der Quantengravitation. Es gibt allerdings eine Reihe von Ansätzen,
wie eine solche Theorie aussehen könnte. Die beiden am weitesten
entwickelten werden in den folgenden Abschnitten vorgestellt.
Weiter geht's mit: Gravitation in Schleifen
|