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Den herkömmlichen, auf der Allgemeinen
Relativitätstheorie basierenden
Urknallmodellen nach stand am
Anfang der Entwicklung unseres Universums ein absurder physikalischer
Zustand: Der Urknall, ein Zeitpunkt, zu dem all das, was wir heute an
Materie und Raum um uns herum sehen zu einem einzigen
Punkt unendlich hoher
Dichte
zusammengezogen war. Solche Unendlichkeiten sind ein sicheres Zeichen für
"krankhafte" Physik und damit dafür, dass Einsteins
Gleichungen, die in den Urknallmodellen die Evolution des Kosmos bestimmen,
direkt am Urknall sinnlos werden.
Einen Ausweg versprechen sich die Physiker seit Jahrzehnten von Theorien,
die die Allgemeine Relativitätstheorie mit den Konzepten der Quantentheorie
vereinigen. Konkrete Hinweise, dass sich das Versprechen halten lässt, gibt es allerdings erst seit einigen Jahren, und zwar im Rahmen der
so genannten Schleifen-Quantengravitation und ihrer Anwendung auf die
Kosmologie.
Diese Theorie führt zu einer Art
Quantisierung der
Struktur von Raum und Zeit. Raum ist in Einsteins Theorie kontinuierlich,
mit anderen Worten: Jede Strecke im Raum lässt sich im Prinzip beliebig
fein unterteilen. Das ist in der Schleifen-Quantengravitation anders.
Dort ist jede Strecke ein ganzzahliges Vielfaches einer Elementarlänge,
der so genannten Planck-Länge.
Zwei Raumpunkte können eine, zwei, drei oder noch mehr Planck-Längen
voneinander entfernt sein, aber beispielsweise nicht anderthalb oder zwei
Drittel Planck-Längen. Strecken im Raum lassen sich nicht beliebig fein
unterteilen, sondern allenfalls in die zugrunde liegenden elementaren
Abschnitte von je einer Planck-Länge.
Da die Planck-Länge sehr klein ist - rund 10-35 Meter
und damit noch weit jenseits der
mikroskopischen Abstände, die Teilchenphysiker an ihren
Beschleunigern
untersuchen - spielt die Quantisierung der Länge für
weite Bereiche der Physik und erst recht
in unserer Alltagserfahrung keine Rolle. Wenn aber das heute beobachtbare
Universum in der Vergangenheit auf winzigstem Raum zusammengezogen war,
so, wie es die Urknallmodelle sagen, dann war
diese Quantenstruktur einst sehr wichtig - all die Materie, die wir um uns herum
sehen können war zu jener Zeit auf einen Raum mit einer Ausdehnung von nur
wenigen Elementarlängen zusammengezogen.
Aufgrund dieser Raum-Quantelung, so zeigt sich, erfüllt sich in den
Modellen der Schleifen-Quantengravitation die Hoffnung auf
eine von Unendlichkeiten freie Kosmologie. In der herkömmlichen Physik ist es unvermeidbar: die mittlere Dichte einer Raumregion ist gleich der darin enthaltenen Masse, geteilt durch das Volumen der Region - zieht sich die Region zum Volumen Null zusammen, wird die Dichte unendlich. In der Schleifen-Quantengravitation ist der Zusammenhang für sehr kleine Volumina komplizierter. Die Dichteentwicklung von Energie, die auf immer
geringerem Raum konzentriert wird, ist in der folgenden Abbildung dargestellt:
Dort ist waagerecht das Raumvolumen aufgetragen, senkrecht die Dichte.
Die rote, durchgezogene Kurve zeigt die Dichteentwicklung in der klassischen
Physik, etwa der Allgemeinen Relativitätstheorie. Die grünen Punkte dagegen zeigen die von der Schleifen-Quantengravitation vorhergesagten Dichte für Materie, die zunächst in einem Bereich zusammengezogen ist, der aus 30 Volumen-Bausteinen besteht, dann nur noch aus 29, und so weiter bis, links, zu einem Raum, der nur noch aus einem Baustein besteht und sich schließlich zu Null zusammenzieht. Wichtig ist, dass die Dichtewerte dabei zwar sehr
groß werden können, aber nicht unendlich, selbst wenn der Raum in einen
Punkt zusammenschrumpft.
Die unschöne Urknall-Singularität mit unendlicher Dichte ist damit beseitigt. Die kosmologischen Modelle der Schleifen-Quantengravitation sagen stattdessen voraus, dass der Urknall gar nicht der Anfang war: Energiedichten bestimmen nach den Einstein-Gleichungen, wie sich das Universum verhält. Ihr abweichendes Verhalten bei winzigen Raumvolumina entspricht einer abstossenden Kraft auf sehr kleinen Skalen. Dieser Effekt zeigt deutlich die Abweichungen der Vorhersagen der Quantengravitation von denen der Allgemeinen Relativitätstheorie - dort ist Gravitation immer anziehend. Mit dieser abstoßenden Kraft können die quantisierten Einstein-Gleichungen sogar das Verhalten des Universums vor dem
Urknall beschreiben, was in der Allgemeinen Relativitaetstheorie unmöglich
wäre - weitere Informationen liefert das Vertiefungsthema
Den Urknall überspringen?
[Martin Bojowald, AEI]
Die relativistischen Grundkonzepte, die diesem Vertiefungsthema zugrundeliegen,
werden in
Einstein
für Einsteiger erklärt, insbesondere im Abschnitt
Relativität und Quanten
und im Abschnitt
Kosmologie.
Mehr zur Kosmologie der Schleifengravitation findet sich im Vertiefungsthema
Den Urknall überspringen. Verwandte Vertiefungsthemen auf einstein-online finden sich in den Sektionen
Relativität und Quanten und Kosmologie.
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