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Einsteins Relativitätstheorien sind die Basis für weite
Teile der modernen Physik - kein Wunder,
dass eine ganze Reihe von Nobelpreisen für Physik
einen direkten Bezug zur Relativität haben. Die wichtigsten davon
werden im folgenden kurz vorgestellt.
1921 - Albert Einstein
Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die Relativitätstheorie zwar
viele Nobelpreise nach sich gezogen hat, bei Einsteins Nobelpreis aber nur
eine Nebenrolle spielte. Zwar wird sie in der Laudatio von Svante Arrhenius
an prominenter Stelle erwähnt; in der kurzgefassten Begründung
der Preisverleihung, ist dagegen nur allgemein von "Einsteins Verdiensten
um die theoretische Physik" die Rede. Explizit genannt wird allein Einsteins
Erklärung des Photoeffekts.
Nobelprize.org: Physics 1921
1933 - Paul Dirac (zusammen mit Erwin Schrödinger)
Diracs Ehrung eröffnet die Parade jener relativistischen
Nobelpreise, die die Verbindung von spezieller Relativitätstheorie
und Quantenmechanik betreffen. Dirac ist der Pionier dieser so genannten
relativistischen Quantenmechanik, er stellte mit der nach ihm
benannten Dirac-Gleichung
die erste Gleichung für das Quanten-Verhalten relativistischer
Materieteilchen auf und kam damit einem grundlegend relativistischen
Quantenphänomen auf die Spur: dem Umstand, dass für jede Sorte
relativistischer Teilchen eine Art Spiegelbild existieren muss, eine Sorte
entsprechender Antiteilchen.
In einer Welt, in der elektrisch negativ geladene Elektronen existieren
fordert Diracs Gleichung zwingend die Existenz von Anti-Elektronen, die
dieselbe Masse haben, aber elektrisch positiv geladen sind.
Nobelprize.org: Physics 1933
1936 - Carl D. Anderson (zusammen mit Victor F. Hess)
Was zunächst ein Stolperstein für Diracs Theorie schien
- wo waren denn die von ihm postulierten Anti-Elektronen? - entpuppte sich
letztendlich als Triumph. In der kosmischen Strahlung, einer hochenergetischen Teilchenstrahlung, die
die Erdoberfläche aus dem Weltraum erreicht, fand Carl Anderson Spuren
der gesuchten Teilchen. Diracs Anti-Elektronen, mit derselben Masse wie
Elektronen aber der entgegengesetzten elektrischen Ladung, gibt es wirklich!
Heutzutage sind Antiteilchen fester Bestandteil der teilchenphysikalischen
Modelle, und für die Anti-Elektronen hat sich die Bezeichnung
Positronen eingebürgert.
Nobelprize.org: Physics 1936
1949 - Hideki Yukawa
Die Kraft, die die Protonen
und Neutronen im
Atomkern zusammenhält, hat
nur eine endliche Reichweite: sie bindet zwar die Teilchen aneinander,
aus denen der Atomkern besteht, aber bereits ein
Neutron, das im Abstand von einem Billionstel Meter am Atomkern
vorbeifliegt, ist außer Reichweite und wird nicht mehr beeinflusst. Zu jener Zeit existierte bereits das Konzept der
Trägerteilchen von
Elementarkräften: Kräfte werden von Teilchen übertragen.
Dass sich beispielsweise zwei Elektronen elektrisch abstoßen
erklärt sich auf Quantenebene durch den Austausch hin- und herflitzender
Photonen, deren Aussendung und
Absorption den Krafteinfluss von einem Elektron zum anderen
überträgt. Yukawa fand eine theoretische Erklärung, die
die kurze Reichweite der Kernkraft mit dem Umstand verknüpft,
dass das betreffende Trägerteilchen eine
Masse besitzt. Diesen Zusammenhang
leitete Yukawa direkt aus einer relativistischen Quantengleichung für
massive Teilchen ab, der
Klein-Gordon-Gleichung.
Nobelprize.org: Physics 1949
1951 - John Cockcroft und Ernest T. S. Walton
Cockcroft und Walton beschossen Atomkerne des
Lithiums mit schnellen Protonen und
erzeugten so Helium-Atomkerne.
Dies war die erste kontrollierte Umwandlung einer Sorte Atomkern in eine
andere. Die Bilanz der Energien vor und nach dieser Reaktion ist eine Bestätigung der von Einstein postulierten
Masse-Energie-Äquivalenz: die entstehenden Heliumkerne besitzen eine etwas geringere Masse als die von Proton und Lithiumkern, und die Massendifferenz schlägt sich in höherer
Bewegungsenergie der Endprodukte nieder.
Nobelprize.org: Physics 1951
1955 - Willis Eugene Lamb und Polykarp Kusch
Lamb und Kusch wiesen in Präzisionsmessungen zwei Effekte nach,
die die einfache relativistische Quantentheorie à la Dirac nicht
erklären konnte: den so genannten
Lamb Shift und eine
Abweichung der magnetischen Eigenschaften des Elektrons von Diracs
Vorhersage. Sie gaben den Anlass zur Entwicklung der
relativistischen Quantenfeldtheorien,
konkret: der Quantenelektrodynamik,
der relativistischen Quantentheorie des elektromagnetischen Felds.
Nobelprize.org: Physics 1955
1959 - Emilio Segrè und Owen Chamberlain
In relativistischen Quantentheorien entspricht jeder Sorte Teilchen eine
Sorte Antiteilchen. Segrè und Chamberlain erhielten ihren Preis
für den Nachweis des Antiprotons, des Antiteilchens zu den
Protonen des Atomkerns.
Nobelprize.org: Physics 1959
1963 - Eugene Wigner (zusammen mit Maria Goeppert-Mayer und
J. Hans D. Jensen)
Kern der speziellen Relativitätstheorie ist das
Relativitätsprinzip, verkürzt:
Relativ zueinander bewegte Beobachter sind gleichberechtigt, für
sie gelten exakt dieselben physikalischen Gesetze. In der Physik
heißt solche Gleichberechtigung auch
Symmetrie.
Ob eine physikalische Theorie, sei es die Beschreibung elektromagnetischer
Phänomene, die Dynamik von Flüssigkeiten oder die Theorie
der Wärme, mit dem Relativitätsprinzip vereinbar ist,
lässt sich in einem recht allgemeinen Formalismus entscheiden, der
die Symmetrien der gegebenen Theorie untersucht. Wigner hat diesen
Formalismus mit entwickelt, auf die Quantentheorie
angewandt und damit die Grundlage der modernen relativistischen
Quantenfeldtheorie geschaffen.
Nobelprize.org: Physics 1963
1965 - Shin-Itiro Tomonaga, Julian Schwinger, Richard P. Feynman
Von der Weiterentwicklung der frühen relativistischen
Quantenmechanik zur relativistischen Quantenfeldtheorie war
oben bereits kurz die Rede. Erst in diesen Quantenfeldtheorien haben
nicht nur die Materieteilchen, sondern auch die zwischen ihnen wirkenden
Kräfte Quantencharakter. Damit einher geht eine Verwischung der
Unterscheidung zwischen Materie und Kraft, die im
Zusammenhang mit Yukawas Modell der Kernkräfte bereits Erwähnung
gefunden hat: Auch die Wirkung einer Kraft wird mit Hilfe von Teilchen
repräsentiert, der Trägerteilchen der Kraft. Tomonaga, Schwinger
und Feynman haben diese relativistische Quanten-Krafttheorie für den
einfachsten Fall, die elektromagnetischen Kräfte, explizit
ausgearbeitet und schufen so die Quantenelektrodynamik.
Die Weiterentwicklung dieses ersten Beispiels für eine relativistische
Quantenfeldtheorie zu dem umfassenderen Standardmodell der Teilchenphysik
war Anlass für eine Reihe weiterer Nobelpreise; da dabei allerdings
keine neuen Querverbindungen zur Relativitätstheorie ins Spiel kommen,
sind sie hier nicht im einzelnen aufgeführt.
Nobelprize.org: Physics 1965
1974 - Antony Hewish (zusammen mit Martin Ryle)
Die Entdeckung, für die Hewish ausgezeichnet wurde, ist zwar keine
Konsequenz der Relativitätstheorie, aber ein wichtiger Meilenstein
für die relativistische Astrophysik. Zusammen mit seiner damaligen
Doktorandin Jocelyn Bell-Burnell entdeckte Hewish den ersten
Pulsar und stieß damit
die Tür zu systematischen Beobachtung von
Neutronensternen auf.
Nobelprize.org: Physics 1974
1978 - Arno Penzias und Robert Wilson (zusammen mit
Pjotr Leonidowitsch Kapitsa)
Penzias und Wilson erhielten ihren Nobelpreis für den Nachweis
der kosmischen Hintergrundstrahlung,
einer Art Nachglühen aus der heißen Kinderzeit des Universums.
Sie bestätigten damit eine Vorhersage, die
Ralph Alpher und Robert Herman bereits 1948 auf der Basis der
relativistischen Urknallmodelle
getroffen hatten.
Nobelprize.org: Physics 1978
1983 - Subramanyan Chandrasekhar und William A. Fowler
Chandrasekhars Arbeit über die Stabilität von
Weißen Zwergen, dem
Endstadium massearmer Sterne, ist der Auftakt einer Forschungsreise,
die die Wissenschaftler letztendlich zu den
stellaren Schwarzen Löchern
geführt hat. Die nach ihm benannte
Chandrasekhar-Grenzmasse
ist die maximale Masse, bei der der innere Druck eines Weißen
Zwergs einen weiteren Kollaps aufhalten kann. Jenseits dieser Massengrenze
wird ein kollabierender Sternrest zum
Neutronenstern
oder gar zum Schwarzen
Loch.
Fowler erhielt den Preis für seine Forschungen zur Entstehung
der verschiedenen chemischen
Elemente im Universum. Ein Teil seiner Arbeit betraf dabei eine
weitere Vorhersage der
Urknall-Modelle der
relativistischen Kosmologie, nämlich die
Entstehung leichter
Elemente im frühen Universum.
Nobelprize.org: Physics 1983
1993 - Russell A. Hulse und Joseph H. Taylor
Hulse und Taylor entdeckten den ersten Binärpulsar: ein
Doppelsternsystem,
indem sich ein Pulsar
und ein Begleiterstern umkreisen. Aus ihren Beobachtungen an diesem PSR1913+16 genannten System folgte der erste indirekte Nachweis von
Gravitationswellen.
Nobelprize.org: Physics 1993
2002 - Riccardo Giacconi (mit Raymond Davis Jr.
und Masatoshi Koshiba)
Giacconi wurde für seine Pionierrolle bei der Entwicklung der
Röntgenastronomie
ausgezeichnet, unter anderem für den ersten Nachweis von
Röntgenquellen, bei denen es sich nach heutiger Auffassung
um Schwarze Löcher
handelt.
Nobelprize.org: Physics 2002
2006 - John C. Mather und George F. Smoot
Mather und Smoot bekamen den Nobelpreis für ihre Beiträge zur COBE-Satellitenmission, insbesondere für genaue Messungen, die zeigen, dass es sich bei der kosmischen Hintergrundstrahlung zweifellos um eine Wärmestrahlung handelt, wie von den Urknallmodellen vorhergesagt, sowie für den Nachweis jener winzigen Fluktuationen in dieser Strahlung, aus denen letztendlich die großräumigen Strukturen des heutigen Weltalls entstanden sind.
Nobelprize.org: Physics 2006
[Markus Pössel, AEI]
Die Themen zu den hier kurz beschriebenen Nobelpreisen sind über
alle Abteilungen von Einstein
für Einsteiger verstreut.
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