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Über 400 Begriffe rund um die Relativitätstheorie und ihre Anwendungen, von "absolute Bewegung" bis "Zwillingsproblem" - auswählbar z.B. über diese Buchstabenliste:

 Gravitationsladung
Eine Ladung ist eine physikalische Größe, die angibt, wie stark ein bestimmtes Objekt an einer gegebenen Wechselwirkung teilnimmt. Für die Newtonsche Gravitation spielt die Masse die Rolle der Gravitationsladung (mehr zu den verschiedenen Massendefinitionen im Vertiefungsthema Träge und Schwere Masse), in der Allgemeinen Relativitätstheorie kommen Größen wie Energie und Druck hinzu (siehe das Vertiefungsthema Masse und mehr).
 Gravitationslinse

In Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie wirkt die Gravitation auch auf Licht, und Licht, das beispielsweise an einem massiven Körper vorbeistreicht, wird dabei etwas abgelenkt (siehe auch Lichtablenkung). Dabei kann es dazu kommen, dass Licht ein und desselben kosmischen Objekts auf mehreren verschiedenen Wegen zu einem Beobachter gelangt, der dann entsprechend mehrere Bilder des Objekts am Himmel sieht. Massen, die in dieser Weise als optische Linse wirken, heißen Gravitationslinsen.

Weitere Informationen bietet das Vertiefungsthema Zur Geschichte der Gravitationslinsen.

 Gravitationspotential

Im Rahmen der klassischen, Newtonschen Gravitationstheorie: Eine an jedem Ort definierte Größe, mit der sich der Gravitationseinfluss einer Masse oder einer Gruppe von Massen beschreiben lässt.

Das Gravitationspotential ist ein direktes Maß dafür, wieviel Energie ein Körper im freien Fall aufgrund des Gravitationseinflusses der anwesenden Massen gewinnen kann, konkret: Wenn ein Körper der Masse m im freien Fall von A nach B fliegt, dann ist die Bewegungsenergie, die er dabei gewinnt, gleich seiner Masse mal der Differenz der Gravitationspotentiale in A und in B.

Wie stark das Gravitationspotential von einem Ort zum anderen variiert, zeigt das Gravitationsfeld an - eine weitere Beschreibungsgröße für den Gravitationseinfluss einer Massenanordnung.

Im Rahmen der Allgemeinen Relativitätstheorie ist das Gravitationspotential ein direktes Maß für die gravitative Zeitdehnung, also dafür, wie die Gravitation den Gang von Uhren (allgemeiner: das "Vergehen der Zeit") beeinflusst.

 Gravitationstheorien
Siehe Allgemeine Relativitätstheorie (Einsteins Gravitationstheorie) oder Newtonsche Gravitation.
 Gravitationswellen

Störungen der Raumgeometrie, die sich mit Lichtgeschwindigkeit durch den Raum ausbreiten.

Nähere Informationen liefert der Abschnitt Gravitationswellen von Einstein für Einsteiger.

Informationen zu einer Reihe weiterer Aspekte der Gravitationswellenphysik finden sich in den Vertiefungsthemen in der Kategorie Gravitationswellen.

 Gravitationswellenastronomie

Teilgebiet der Astronomie, in dem es darum geht, durch den Nachweis von Gravitationswellen Daten über Himmelskörper oder das Weltall als Ganzes zu erhalten - etwa über die Ereignisse im Inneren von Supernovae, über Neutronensterne oder über die heiße Frühzeit des Kosmos.

Bislang ist das freilich Zukunftsmusik - zur Zeit besteht die Herausforderung darin, diese Wellen mit Hilfe von Gravitationswellendetektoren überhaupt erst einmal nachzuweisen.

 Gravitationswellendetektor

Derzeit laufen weltweit Versuche, die Gravitationswellen, die uns aus dem fernen All erreichen, direkt nachzuweisen. Im wesentlichen sind dabei zwei Arten von Detektor im Einsatz, so genannte interferometrische Detektoren wie GEO600 oder die LIGO-Detektoren, und so genannte Resonanzdetektoren.

Nähere Informationen zu Gravitationswellen liefert der Abschnitt Gravitationswellen von Einstein für Einsteiger.

Einen Überblick über die derzeit in Betrieb befindlichen Gravitationswellendetektoren liefert das Vertiefungsthema Ohren in aller Welt.

 gravitative Zeitdehnung
Siehe Zeitdehnung.
 Gravitomagnetismus
In Situationen mit vergleichsweise schwacher Gravitation können die im Rahmen der Allgemeinen Relativitätstheorie auftretenden Gravitationswirkungen näherungsweise (erste post-Newtonsche Näherung) in Analogie zum Elektromagnetismus beschrieben werden: Diejenige Wirkung, die bereits durch die Newtonschen Gravitationskraft erfasst wird, ist dabei analog zur elektrischen Kraft. Darüber hinaus gibt es eine Kraftwirkung, die zur Magnetkraft analog ist und immer dann auftritt, wenn Gravitationsquellen rotieren. Sie wird als Gravitomagnetismus bezeichnet. Der gravitomagnetische Einfluss einer rotierenden Masse auf ihre Umgebung heißt auch Lense-Thirring-Effekt.
 Graviton

Hypothetisches Botenteilchen einer als Quantentheorie beschriebenen Gravitationskraft. Allerdings wissen die Physiker heutzutage noch nicht, wie eine solche Theorie der Quantengravitation letztendlich aussehen wird.

 Gravity Probe A
Synonym: Vessot-Levine-Experiment. Experiment zum präzisen Nachweis der gravitativen und der speziell-relativistischen Zeitdehnung, durchgeführt im Jahre 1976. Dazu wurde eine Atomuhr an Bord einer Rakete auf eine Flughöhe von rund 10.000 Kilometern geschossen. Mit Hilfe von Radarsignalen wurden sowohl Flughöhe und -geschwindigkeit der Rakete als auch der Gang der an Bord befindlichen Uhr überwacht. Die Genauigkeit der Vorhersagen der Allgemeinen Relativitätstheorie über den Gang dieser einerseits in Bewegung, andererseits in einem schwächeren Gravitationsfeld als auf der Erde befindlichen Uhr wurde in diesem Experiment mit einer Messungenauigkeit von weniger als 0,02 Prozent bestätigt.
 Gravity Probe B

Satellitengestütztes Experiment zum Nachweis des Lense-Thirring-Effektes ("frame-dragging"). Dabei wird die Richtung der Drehachse von hochpräzise gefertigten kugelförmigen Kreiseln überwacht, die an Bord eines Satelliten um die Erde kreisen. Gemäß der Allgemeinen Relativitätstheorie sollten zwei Effekte dafür sorgen, dass sich die Achsenrichtung der Kreisel mit der Zeit leicht verändert: Die geodätische Präzession, ein Nebeneffekt der Krümmung der Raumzeit in Erdnähe sollte zu einer Verschiebung von knapp sieben Bogensekunden pro Jahr führen. Der Lense-Thirring-Effekt kommt zustande, da die Erde rotiert und die sie umgebende Raumzeit dabei grob gesprochen ein wenig mitzieht. Das sollte zu einer weiteren Achsenrichtungsänderung von rund 0,04 Bogensekunden führen.

Start der Mission war April 2004; Messungen wurden von August 2004 bis August 2005 vorgenommen; die Bekanntgabe erster Ergebnisse erfolgte im April 2007 (Bestätigung der geodätischen Präzession mit einer Genauigkeit von 1 Prozent; noch keine Ergebnisse zum Lense-Thirring-Effekt). Die Bekanntgabe des Gesamtergebnisses ist für Dezember 2007 angekündigt.

Webseiten der Mission Gravity Probe Benglish

 Größenordnung
Im Sprachgebrauch der Physik: Der Wert einer Größe, gerundet bis auf die nächste Zehnerpotenz. Die Höhe eines Menschen ist beispielsweise von der Größenordnung her ein Meter, die Höhe eines zweistöckigen Hauses 10 Meter. Über Größenordnungen zu reden, ist beispielsweise für grobe Vergleiche sinnvoll, die der Orientierung dienen - dass ein zweistöckiges Haus rund 10 Mal größer ist als ein Mensch, ist ein nützlicher ungefährer Wert; jede genauere Angabe wäre angesichts der Tatsache, dass sowohl Menschen wie Häuser in ihrer genauen Größe variieren, unangemessen oder sogar irreführend. In der Physik wird man von stark vereinfachten Modellen nicht verlangen, dass ihre Vorhersagen exakt zutreffen, allerdings sollten sie ungefähr in der richtigen Größenordnung liegen.
 Großkreis

Kreis auf einer Kugeloberfläche, dessen Mittelpunkt gleichzeitig der Mittelpunkt der Kugel ist. Der Äquator ist ein Großkreis auf der Erdkugel, die Meridiane sind Großkreishälften.

Die geradestmögliche Weise, auf einer Kugeloberfläche entlangzulaufen, führt entlang von Großkreisen; in der Sprache der Mathematiker: Großkreise sind Geodäten der Kugeloberfläche.